Das Stofftaschentuch – 5 einfache Schritte es hygienisch richtig zu benutzen // Ideen #6

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Wir wollen endlich mit dem Irrglauben aufräumen, dass ein „Schnäuzquadrat“ unhygienisch sei! Daher zeigen wir euch heute, wie ihr ein Stofftaschentuch nicht nur manierlich sondern auch hygienisch einwandfrei benutzen könnt:
Es ist ganz einfach und kein grosser Aufwand!

„Peter Walsh had got up and crossed to the window and stood with his back to her, flicking a bandanna handkerchief from side to side. Masterly and dry and desolate he looked, his thin shoulder-blades lifting his coat slightly; blowing his nose violently“

(Virginia Woolf)

Die fatale Erfindung des Papiertaschentuchs

Library of Congress; Washington DC

Vor ein paar Wochen haben wir euch in unserem Blog von der Geschichte des Stofftaschentuchs erzählt. Spannend und vielfältig entfaltet sich diese über mehrere Jahrhunderte der Kostüm- und Kulturgeschichte.

Das Papiertaschentuch hingegen ist noch relativ jung: 1894 [Also vor 127 Jahren…] wurde von der G. Krum Göppinger Papierfabrik das erste Patent für ein Papiertaschentuch in Deutschland angemeldet. Dieses war allerdings sehr dünn und fast wie normales Papier. Der Erfolg dieses Produktes blieb aus.

Einige Jahre später brachte die Firma „Kleenex“ in Amerika das erste erfolgreiche Stofftaschentuch auf den Markt. Die Geschichte von Kleenex begann während des Ersten Weltkriegs, als Kimberly-Clark ein Krepppapier entwickelte, das als Filter in Gasmasken verwendet wurde. In den frühen 1920er Jahren wurde ebendieses unter dem Namen Kotex® adaptiert, das Frauen mit ihrer Periode half. 1924 wurden die Taschentücher noch dünner und weicher unter dem Namen Kleenex® auf den Markt gebracht.

Firma Tempo und Co.

Doch auch in Deutschland folgte man schnell dem Trend rund um das Papiertaschentuch: 1929 reichte die Firma „Tempo“ das Patent dazu in Nürnberg ein. Im Markennamen wurde Zeitgeist der 1920er aufgenommen: Alles musste schneller, besser, stärker sein!

Werbeslogans wie „Don’t carry a cold in your pocket“ [Trage keine Erkältung in deiner Hosentasche] verhalfen dem kleinen, quadratischen Papiertuch zum Erfolg. Es wurden neue Qualitätsansprüche formuliert – das Stofftaschentuch hingegen galt als Risiko, denn es könnte ja sein, dass es bei der vorhergehenden Wäsche nur mangelhaft gesäubert wurde und somit noch Krankheitserreger vorhanden waren. Es galt zunehmend als unhygienisch, ein benutztes Stofftaschentuch in der Hosentasche oder in der Handtasche mit sich herumzutragen und es mehrmals zu verwenden. Zudem war es „mehr Aufwand“ für die Hausfrau [damals haben hauptsächlich Frauen den Haushalt geführt], statt ein schnelles Papiertaschentuch zu benutzen. Und so löste das Wegwerfprodukt über die nächsten Jahrzehnte nach und nach das Stofftuch ab.

Dass dieses Gedankengut ein reiner Irrglaube ist, zeigen wir euch später nochmals genauer, denn: Wird das Stofftaschentuch korrekt benutzt, ist es genauso hygienisch, wie dessen Stiefschwester.

Das Stofftaschentuch – nicht nur sauber sondern auch nachhaltig

Papiertaschentücher werden aus Papier, also aus Holzbestandteilen hergestellt. Für die Herstellung von Taschentüchern werden dementsprechend gesunde Bäume gefällt. Für die Herstellung werden zudem viel Wasser und Energie benötig.

Außerdem bestehen die Verpackungen zumeist aus Plastik. In Industrieländern produzieren wir so pro Haushalt jedes Jahr mehrere Kilogramm Müll: durch die Verwendung der Taschentücher selbst und durch deren Verpackungen!

Würden wir in Deutschland komplett auf Papiertaschentücher verzichten, könnten wir jährlich ca. 39 Milliarden Taschentücher sparen und so der Rodung von Bäumen entgegenwirken.

Stofftaschentücher hingegen sind wiederverwendbar. Je nach Herstellung kann ein Stofftaschentuch anfangs zwar eine schlechtere Ökobilanz haben, denn Baumwolle [vor allem herkömmliche im Vergleich zu Bio Baumwolle] ist an sich in den meisten Faellen eine Umweltsünde und oftmals nicht nur schlecht für Baumwollbauern, sondern auch für den Boden und die natürlichen Ressourcen. Der Artikel „Die Bilanz von Stofftaschentüchern“ von dem Blog Minimalwaste.de hat sich ganz ausführlich mit dem Thema beschäftigt und ist einen Besuch wert!


Aber dennoch ist der ökologische Fußabdruck des Stofftaschentuchs aufgrund der jahrelangen Wiederbenutzbarkeit deutlich kleiner.

Wir sind klare Fans der Stofftaschentücher!

Wenn ihr absolut nicht auf die Papiertücher verzichten könnt oder möchtet raten wir, zumindest zu recycelten Fasern zu greifen. Diese sind bereits ein weiteres Mal in unserem Kreislauf gelandet und kommen nicht ganz frisch auf den Müll. Trotzdem sind auch diese Tücher Einwegprodukte, die Energie und Ressourcen verbrauchen.

Never trust a man who carries a handkerchief, I always say.
One of many prejudicial rule of thumb.

(Haruki Murakami)

Wie verwende ich also ein Stofftaschentuch hygienisch korrekt?

Sich ein Stofftaschentuch anzuschaffen lohnt sich erst richtig, wenn man es mehrere Jahre lang benutzt! [Es wird etwa 20-30 Mal pro Jahr gewaschen.] Wenn du dir also 400 Taschentücher aus Stoff kaufst, diese aber jeweils nur fünf mal benutzt und dann in den Müll wirfst, kannst du direkt auch auf das Papiertuch zurückgreifen. Deine Öko- Bilanz ist dann statt „Nachhaltigkeits Profi“ eher auf dem Niveau von „Umweltverschmutzer:in“.

5 einfache Schritte ein Stofftaschentuch hygienisch richtig zu benutzen

  1. Benutze Tücher aus 100% Baumwolle oder Leinen [Leinen wirkt sogar antibakteriell].
  2. Benutze Tücher nur 1-2 Tage lang und lass sie nicht nass in deiner Hosentasche liegen, dies kann nämlich die Bildung von Bakterien fördern.
    Tipp: Nimm dir stattdessen ein kleines Säckchen mit, in dem du benutzte Taschentücher gesondert transportieren kannst.
  3. Koche das Taschentuch entweder separat in einem Kochtopf bei 60° aus oder füge es der nächsten Waschmaschinen-Ladung bei.
  4. Keinen Hygiene- oder Weichspüler verwenden, diese sind zu aggressiv für die Stoffe und Umwelt. Verwende einfach normales Vollwaschmittel.
  5. Bügle das Tuch! Bügeln versiegelt Fasern, hält diese länger frisch und tötet noch zusätzlich restliche Bakterien und Viren ab. [Außerdem sieht es hübsch aus, wenn es nicht komplett verkrumpelt ist.]

Nun wisst ihr, wie einfach es ist ein Stofftaschentuch keimfrei und sauber zu verwenden ohne Angst haben zu müssen, irgendwelche Keime mit euch herum zu tragen!

Und hier folgt unser Lieblingsbeispiel, wie ein Stofftaschentuch zu handhaben ist: Viel Spass beim Schauen!

Habt ihr immer noch Zweifel, ein Taschentuch aus einem anderen Material als Papier zu benutzen?
Dann schreibt uns in die Kommentare, warum! Wir geben euch gerne eine Starthilfe und nehmen euch die Hemmung, ein Stofftaschentuch zu benutzen!

Gesundheit!

*1 Werbung|unbeauftragt und unbezahlt.
Uns wurden auf Anfrage netterweise die Fotos von Jenny Tiramani von der School of Historical Dress zur Benutzung auf unserem Blog gestellt! Ein Herzliches Dankeschön nochmals an Jenny!

Jenny: Thank you so much for sending us your photos!!!

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Juniper

    Danke für diesen Beitrag! Ich nutze mittlerweile seit zwei Jahren hauptsächlich Stofftaschentücher (alle aus dem Fundus meiner Großeltern) und meine Kinder und Mann sind dann nach und nach auch umgestiegen.
    Sieht auch gleich viel edler aus und fühlt sich an der Nase besser an :).

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